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Die Vorstellung „Solange wir uns lieben ist und bleibt alles gut.“ tragen viele Menschen in sich. Sie glauben, Liebe sei eine so starke Energie, sie „würde es schon richten“ und alle anderen Schwierigkeiten überdecken. Dabei erleben wir immer wieder, wie schwer es wird, die Liebe fließen zu lassen, wenn wichtige andere Qualitäten fehlen oder nicht (mehr) vorhanden sind. Fehlen etwa Respekt, Wertschätzung, Verständnis und die Bereitschaft, sich wirklich aufeinander zu beziehen und einzulassen, dann hat die Liebe als Kit einer kriselnden Beziehung auf Dauer keine Chance. Denn allein auf weiter Flur hat die Liebe keine Chance. Als Basis einer Partnerschaft allein genügt sie nicht.

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Gerne erläutere ich dies an einem Beispiel aus meiner Beratungspraxis:

Die 35jährige Mutter eines pubertierenden Sohnes durchlebt eine schwierige Krisenzeit in ihrer Partnerschaft. Ihr Mann, den sie nach der Trennung vom Vater des Kindes kennengelernt und später geheiratet hat, hatte sie mit einer heimlichen Affäre viele Monate hinters Licht geführt. Mehrfach konfrontierte sie ihn mit ihrem Verdacht, wurde jedoch von ihm jeweils brüsk abgespeist. Immer wieder beteuerte er ihr seine Liebe und beharrte darauf, dass es keine andere Frau gäbe. Sie liebte ihn sehr und konnte sich nicht vorstellen, dass er sie zusätzlich noch belüge, also versuchte sie schweren Herzens seinen Beteuerungen Glauben zu schenken. Als nach Monaten schließlich durch einen „dummen Zufall“ herauskam, dass er tatsächlich eine heimliche Geliebte hatte, brach für sie eine Welt zusammen. Das Schlimmste für sie war der gefühlte Verrat. Er war ein männlich wirkender charismatischer Mann, erfolgreich im Job, verlässlich und bei Kollegen und Kunden beliebt. Er schien ein Mann zu sein, auf den eine Frau sich verlassen kann. Auch dafür liebte sie ihn. Insgeheim jedoch, das wußte sie, war sein männliches Selbstwert-Gefühl eher schwach ausgeprägt. Das Paar durchlebte eine heftige Zeit der Prüfungen und Herausforderungen. Er war schuldbewusst und gestand ein, dass er sich in einer heftigen Lebens- und Sinnkrise befand. Zunächst war er entschlossen, sich bei seinem eigenen Klärungsprozess therapeutisch unterstützen zu lassen, denn er spürte, dass er etwas „für sich tun muss“. Deshalb willigte sie ein, ihrer Partnerschaft noch eine Chance zu geben. Unter großen Mühen trennte er sich schließlich von seiner Geliebten. Damit war dann für ihn die Angelegenheit erledigt. Mehr brauchte es nach seiner Meinung dann doch nicht. Alles andere würde sich einrenken, schließlich liebte er sie. All ihre inständigen Bitten und Appelle, sich bei seinen Themen Unterstützung zu holen, verpufften wirkungslos. Ihr heftig erschüttertes Vertrauen konnte sich durch sein erneutes Ausweichen und Hinhalten nicht erholen. So sehr sie ihn noch immer liebte, blieb die Basis der Partnerschaft für sie in Gefahr. Letztendlich trennten sie sich von ihm, auch um sich selbst zu schützen. Sie hatte alles versucht und „an ihre Liebe geglaubt“, musste sich jedoch schließlich eingestehen, dass Liebe alleine nicht ausreicht.

Entwicklungen wie diese, erlebe ich in meiner Beratungspraxis immer wieder. Gerade dann, wenn eine Partnerschaft schweren Prüfungen ausgesetzt ist, wenn das „Haus der Liebe“ wackelt, hoffen viele, die Liebe alleine würde genügen, um alles zusammen zu halten. Nicht selten verzichten sie dann darauf, Entscheidungen und mögliche Konsequenzen zu benennen, die vielleicht für eine notwendige Veränderung sorgen könnten. Denn Veränderungen geschehen dann, wenn sie schmerzhaft sind, selten durch Liebe allein.

Häufig steht die Illusion der „Liebe als Zaubermittel“ einem wirklichen Veränderungs- und Klärungsprozess im Weg.

Natürlich ist wirkliche Liebe für das Gelingen einer Partnerschaft unabdingbar. Sie ist die Energie und Grundlage auf der eine Liebes-Beziehung aufbaut. Fehlt sie, oder geht sie verloren, dann fehlt eine wichtige und unerlässliche Basis. Zugleich ist nach meiner Erfahrung weit mehr nötig, damit das „Haus der Liebe“ oder das „Haus der Partnerschaft“ wirklich stabil und beständig sein kann. Denn dieses wird nur durch ein komplexes Zusammenspiel vieler Energien und Kräfte lebendig gehalten.

Das Haus der Partnerschaft braucht ein stabiles Fundament. Die gemeinsam geteilte Liebe ist dabei eine wichtige Qualität. Zusätzlich jedoch sollten die Vorstellungen seiner Bewohner, einigermaßen kompatibel sein. Sie sollten in wichtigen Bereichen darüber übereinstimmen, wie sie in ihrem Liebes- und Beziehungshaus leben wollen.

Auch die Verteilung gemeinsamer Aufgaben und Verantwortung und der Respekt gegenüber dem Raum des anderen muss für Beide passen. Menschen brauchen unterschiedlich viel Raum für sich und jeder hat sein eigenes Bedürfnis nach Nähe & Verbundenheit oder Unabhängigkeit & Freiheit. Auch hierbei sollten beide Partner einigermaßen übereinstimmen.

Letztlich sollte auch die „Form des Hauses“, seine Architektur im Außen wie im Innen für Beide stimmen. Und manchmal wird ein Anbau oder Umbau nötig.

Erst wenn diese wichtigen Interessen und Qualitäten weitgehend zueinander passen, kann sich die Liebe darin frei entfalten. Stimmen sie in wichtigen Bereichen nicht - oder aber nicht mehr, dann reicht sie alleine leider nicht.

In meinem Buch „Liebe Lernen für Paare und Singles“ benenne ich in Kapitel 3 unterschiedliche Formen und „Landkarten der Liebe“. Denn wir benutzen den Namen Liebe oft als Synonym für allerlei Anderes.

Um all dies konstruktiv miteinander zu erschaffen braucht ein Paar wirkungsvolle Kompetenzen, etwa die einer konstruktiven Kommunikation.

In Kapitel 4 meines Buches „Liebe Lernen für Paare und Singles“ benenne ich insgesamt 6 Kernkompetenzen, die nach meiner Erfahrung für das Gelingen der Liebe unverzichtbar sind. In Kapitel 3 „Landkarten der Liebe“ lade ich Sie ein, unterschiedliche Vorstellungen dessen, was Liebe ist und auch sein kann zu vergleichen. Denn oft benutzen wir den Begriff Liebe etwas willkürlich und als Platzhalter für andere Gefühle und Bedürfnisse. Schließlich möchte ich Sie im Kapitel 7 „Formen der Liebe“ ermutigen, beherzt Ihre eigene Form der Liebe zu entwickeln und Ihren Maßanzug der Liebe zu erschaffen. Denn nur darin werden Sie sich letztendlich wirklich wohl fühlen.

Gerne lade ich Sie ein, sich so unnötige Enttäuschungen zu ersparen und noch kompetenter in „Liebesdingen“ zu werden.

Herzlich

Ihr
Markus Klepper

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In meinem nächsten Blog-Beitrag beschäftige ich mich mit dem Thema „Wünsche mit Augenmaß - ein 'Geheimnis' lebendiger Beziehungen, nicht nur zur Weihnachtszeit.“

Er erscheint am Freitag 18.12.2015

 

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